Film „Everytime“: Sandra Wollner und die Kunst des Weiterlebens
Shownotes
Mit ihren Filmen bewegt sich die österreichische Regisseurin Sandra Wollner an der Grenze zwischen Realität und Vorstellung, zwischen Leben und Tod. In ihrem neuen Film „Everytime“, den sie bei der Viennale präsentiert hat und der für Deutschland ins Oscar-Rennen geht, erzählt sie von Verlust, Trauer und der Frage, wie das Leben nach einer Tragödie weitergeht. Ich habe Sandra Wollner bei der Viennale getroffen und mit ihr über ihre ungewöhnliche Art des filmischen Erzählens gesprochen. Es geht um das Zusammenspiel von Dokumentarischem und Surrealem, um die Zusammenarbeit mit Birgit Minichmayr und der Kinderdarstellerin Lotte Shirin Keiling. Wir sprechen über die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fantasie, welche Rolle das Computerspiel „Vintage Story“ in ihrem Film spielt und darüber, wie man das Unfassbare in Bilder übersetzen kann.
Das Gespräch wurde am 26. Oktober 2026 beim Filmfestival Viennale aufgezeichnet.
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Vielen Dank an den Kärntner Musiker Cherry Toast für das wunderbare Intro und Outro. “Slowly Moving Forward” könnt ihr auf Spotify und auf YouTube in voller Länge hören.
Transkript anzeigen
00:00:00: Für diesen Film war es essentiell in der Form etwas zu haben, was sich so geerdet anfühlt.
00:00:07: Dass wir wirklich den Wegen, auf denen diese Figuren gehen auch trauen um eben am Ende etwas zum Schweben zu bringen das aber trotzdem irgendeine Form von Realitätsbezug noch hat obwohl es quasi so surreal wird.
00:00:45: Ich habe gerade mit Birgit Minich mal her sprechen dürfen und sie hat das auch so schön beschrieben, dass es wirklich so ein Film ist.
00:00:52: Everytime der so ganz wie so ein Rohdiamant oder Diamant quasi in ihrer Biografie jetzt schimmert.
00:01:00: Wann hast du irgendwie gewusst vielleicht, dass da doch irgendwie ganz was Besonderes auch irgendwie da ist?
00:01:10: In Cannes bei der Premiere glaube ich.
00:01:13: Also es ist im Sinne von, dass was Besonderes da ist.
00:01:20: Ich fand das immer besonders die Intention etwas zu schreiben.
00:01:24: Man arbeitet ja daran und man selbst muss es so besonders finden, dass man es liebt über Jahre und diesen Marathon quasi mitmacht.
00:01:32: Das heißt, dass es mir und den Mir-Lieben, die oft meine Beraterinnen sind sozusagen für dir etwas Besondereres ist... war schon früher klar.
00:01:46: Aber dass es eine so große Reichweite haben könnte, das war mir nicht klar.
00:01:54: Also weißt du?
00:01:55: Das ist so ein bisschen eine schwierige Frage.
00:01:58: Mir war klar in dem Moment, dass es was Besonderes als Bier geht mir nicht mal gesagt hat ja ich möchte mit dir arbeiten aber mir war auch klar, dass ist etwas besonderes.
00:02:05: sie es als Gregory Oak gesagt haben Ja!
00:02:07: Ich möchte mit ihr arbeiten.
00:02:09: Es gibt zu viele Schritte.
00:02:10: dieses Was ist dieses besondere?
00:02:12: und Genau, erstmal war es für uns besonders.
00:02:15: Und dass jetzt aber so ist... ...dass es soweit reich, dass tatsächlich Leute davon berührt sind und dann später nach dem Film auf mich zukommen in allen Ländern wo wir jetzt waren mit ihr ihre Geschichten teilen Das war einem ja nicht klar.
00:02:31: Also das weiß man ja nicht vorher
00:02:34: Weil so eine abstrakte Vorstellung ist.
00:02:35: man beginnt quasi mit einem weißen Blatt Papier und streitet Ideen auf oder hat irgendeine wage Idee?
00:02:41: Und beginnt mal so und dann plötzlich Wird das immer mehr, oder?
00:02:45: Ja.
00:02:45: Aber vor allem weil quasi... Es ist ja nicht so dass ich nicht ein Publikum im Kopf hätte aber es ist ein fiktives Publikuum und es ist keines an dem ich mich orientiere.
00:02:53: und wir machen ja keine Screenings wenn der Film wertig ist ob er jetzt quasi gut ankommt sondern marktwert bedient oder nicht.
00:02:59: Das müssen wir zum Glück nicht Sonst würden hier ganz viele Filme gar nicht entstehen können.
00:03:04: Also nicht jeder Film kann nach der größten Aufmerksamkeit streben sonst würden viele gar nicht existieren Dass es für mich was Besonderes war, war immer da.
00:03:15: Sonst hätte ich's ja gar nicht machen können, weißt du?
00:03:18: Aber dass eben andere davon berührt sind, das ist ja etwas, was zuerst merken kannst im Prozess und deswegen kann ich es gar nicht anders formulieren.
00:03:27: Es geht im Film ja um eine alleinerziehende Mutter die zwei Töchter hat und die ältere Tochter, eine Teenie-Tochter, die glaube ich so siebzehn ist dann nach einer... bei einem tragischen Unfall nach einer Partynacht mit Drogen stirbt.
00:03:42: Und die Mutter bleibt quasi alleine zurück, mit der zehnjährigen Tochter circa oder noch ein bisschen jünger Achtjährigen-Tochter.
00:03:49: und dann gibt es noch den Freund quasi der älteren Tochter, der auch eine Rolle spielt.
00:03:54: Was war denn so die Ausgangslage?
00:03:56: Oder wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen genau so eine Geschichte erzählen zu wollen?
00:04:01: Also einerseits habe ich quasi könnte man sagen erwachsene Melly mal getroffen in Berlin und das war nur eine kurze Begegnung, aber irgendwie hat er sie mir sozusagen auch von aus ihrer Kindheit erzählt.
00:04:14: Wir sind da irgendwie... Und auch eine Person die ich danach nie wieder getroffen habe, aber... Irgendwie hat es doch einfach Spuren hinterlassen was sie gesagt hat?
00:04:22: Dann kam einer sehr pragmatischen Frage meiner österreichischen Produzentin dazu nämlich die meinte nachdem wir den letzten Film fertig gemacht haben du musst jetzt wieder etwas schreiben Dann kamen recht schnell diese drei Figuren an die Oberfläche, wo ich erst mal gar nicht wusste, woher sie kamen.
00:04:41: Also ich hatte schon das Gefühl, es wurde irgendwie durch diese eine Begegnung ausgelöst auf einer Weise, aber ich konnte noch nicht benennen, wo her die kamen und habe dann erst später als ich schon sehr investiert war in diese drei Charaktere festgestellt dass sich ähnlichen Menschen begegnet bin auch früher schon, nicht erst quasi in Berlin einer wachsenden Person Und auf eine Weise haben die mich einfach nicht mehr losgelassen.
00:05:05: Es kam wirklich aus diesen Figuren heraus erstmal und dann war es aber schon bald, weil ich irgendwie angefickst sozusagen von dieser Idee, vom formalen Bruch der da passieren könnte, von einer Verschiebung, die quasi im letzten Drittel passiert und so ist das eigentlich daraus gekommen.
00:05:27: also sie so... Eigentlich kam das aus dem Arbeiten.
00:05:31: Es gab zwar diese Begegnungen, es gab noch andere Momente die vielleicht dahin geführt haben.
00:05:35: Die vielleicht in Summe zu der Geschichte genau so wie sie sind geführt hatten.
00:05:41: aber im Endeffekt kam's aus dem ich setze mich an den Tisch und gucke was jetzt da hochkommt Und das ist kam daraus.
00:05:49: Ich fand so schön zu beobachten Im Laufe des Films wird man eigentlich nie das dann bekommt Was man vielleicht von anderen Filmen erwarten würde.
00:06:00: Also man wird irgendwie, das Film setzt dann ja wirklich erst so ein knappes Jahr danach ein quasi nach diesem tragischen Unfall.
00:06:07: Und man sieht quasi diese wirkliche Trauer nicht also eher den Alltag mit der Trauer.
00:06:14: War das eine bewusste Entscheidung auch nicht gleich nach diesem Tragischen Unfalls einzusteigen?
00:06:20: Auf
00:06:20: jeden Fall!
00:06:23: Bewusst im Prozess wurde mir klar, dass ich da einsteigen möchte.
00:06:26: Ich habe das geschrieben was dazwischen passiert ist um es zu wissen weil ich gering bin als Autorin an Wissen mit dem Was-Tiegel füllt haben davor.
00:06:35: aber Mir war klar dass mich das was mich viel mehr interessiert dieses Weiterleben damit ist weiß ich's ja nicht so dass Trauer egal welcher Formen ob sie jetzt nun dieser größtmögliche Verlust denn wir hier darstellen oder einen Ganz natürlich war tot im Sinne von jemand, der vielleicht schon sehr alt war und gehen konnte, weil er vielleicht sehr krank war.
00:07:01: Dass das ja nie etwas ist was dann abgeschlossen ist.
00:07:03: also klar gibt es Fälle die eben weil jemand schon älter ist und vielleicht kann man da einen Abschluss finden aber dennoch gerade natürlich ein Trauer die so aus dem Leben gerissen wird kann keinen Abschluss finden.
00:07:19: Und ich finde, oft wird uns natürlich erzählt in Filmen oder auch in Literatur dass das vielleicht so wäre und wir fühlen uns dann gut am Ende bei jemandem der etwas hinweggekommen ist und es sind sicher Meilensteile in den Figuren und ich glaube es ist auch wichtig, auch in echten Figuren, dass es so ist.
00:07:32: aber... Das was mich mehr interessiert hat war, dass er eigentlich nie ganz vorbeigeht.
00:07:39: Nick Cave meinte mal, ja jetzt weiß er und er verloren hatte einen jungen, seinen jüngeren Sohn auf einem Asset-Trip, soweit ich informiert bin über eine Klippe gefallen ist.
00:07:51: Und er meinte dann nach mal das Trauer nicht sei dass wir überkommen können sondern ein Ort um den wir leben müssen.
00:07:57: und dieser Ort diese Zeit dieses Continuum in weitesten Sinne hat mich interessiert und hat sich sozusagen für diesen letzten Akt dann für mich aufgemacht.
00:08:10: Ist es auch diese Sonne quasi die immer wieder neu aufgeht?
00:08:14: ja auch irgendwie stehen bleibt für eine gewisse zeit
00:08:17: die sonne aber auch sozusagen dieses gefühl von menschen das mir wurde das letztens erst gespielt wird jetzt ein screen gerade in la und danach hat mir jemand geschrieben über unsere firmen e-mail sozusagen einer nachricht an mich dass sie als person einen sehr schweren verlust erlebt hat in sehr jungen jahren und das gefühlt dass sie so wieder gefunden hat in diesem film war das dass sie damals immer das Gefühl hat, die Realität selbst.
00:08:45: Da gibt es keinen Sinn mehr.
00:08:46: Die Realität sei irgendwie implodiert oder nichts hatte mehr einen Anker und... Das war ein Gefühl, was ich davor schon hatte.
00:08:57: Ich fand mir jetzt tatsächlich sehr schön zu beobachten, dass jemand das als heilsam empfinden konnte in dem genauer, dass ich darin gesehen fühlte, so meinte ich.
00:09:11: Mir geht's!
00:09:12: Mir geht es oft bei Filmen oder TV-Serien auch so, dass quasi wenn solche Themen irgendwie vorkommen dann will ich mir das oft gar nicht anschauen weil das ja doch irgendwie belastend ist.
00:09:22: Auch wenn man jetzt nicht selber irgendwie direkt davon betroffen ist aber allein so diese Gedankenspiele durchzuspielen oft schon sehr belastende sind, wo ich mir oft denke okay warum soll ich mir da sein?
00:09:32: überhaupt antun.
00:09:33: In dem Fall hatte ich jetzt genau das andere irgendwie Gefühl beim Ansehen, dass ich mir gedacht habe es ist so etwas Tröstliches auch wie hier damit umgegangen wird aber auch wie du mit der Kamera quasi drauf schaust und quasi einen Ort zu erschaffen wo nicht alles wieder gut ist oder wo man die Zeit zurückdrehen kann aber wo man irgendwie gemeinsam einen Ortschaft wo man weiter leben kann.
00:10:00: Ich fand das sehr tröstlich, aber ich kann das gut nachvollziehen.
00:10:03: Das freut mich total, dass du das sagst.
00:10:05: Das weiß man ja vorhin nicht.
00:10:06: Ich bin keine Expertin auf dem Gebiet.
00:10:11: Zum Glück ist das kleinste Wort dafür, aber nie eine Verluste dieser großen Ordnung und kann deshalb auch kein Experte auf dem Gebiet sein, um also mir auch nicht an das zu verstehen wie jemand sich damit fühlt?
00:10:24: Auseinandersetzung mit dem Thema, meine quasi mein Versuch.
00:10:28: Das ist das was dieser Film ist.
00:10:30: Ist es auch so eine Verantwortung als Filmemacherin die du vielleicht spürst solche Themen auch anzugehen auf diese Art und Weise?
00:10:43: Ich denke ehrlich gesagt danke ich nicht darüber nach wenn ich etwas schreibe.
00:10:49: ich denke schon darüber nach.
00:10:50: also die Verantwortung kommt eher später im Sinne von Wie gehe ich mit etwas um?
00:10:57: Wir hatten eine lange Diskussion, hatte ich mit Gregory Oak, den ich im Überachtessern kennengelernt habe.
00:11:03: Weil mir ich den Film sehr geliebt hab über zeigen wir diesen Tod tatsächlich, zeigen wir diesem Unfall und für mich war immer klar, wir werden es zeigen.
00:11:14: also das war keine Frage Ich musste es zeigen.
00:11:17: Er kam aber daher dass so er quasi sehr sensibel war gegenüber dem, dass wir sagen okay welche Bilder stellen wie in die Welt.
00:11:27: Und diese Fragestellungen?
00:11:29: für mich war immer klar es gibt gar nichts daran zu rütteln das wir das zeigen werden.
00:11:33: aber weil wir so diskutiert haben und weil er sehr von mir wissen wollte warum ich es denn zeigen möchte hat schon dieses Sequenz dann nochmal beeinflusst.
00:11:41: also für mich was so ist mir immer klar war.
00:11:43: ich möchte diesen Fall aus dieser Entfernung sehen der auch da passiert Entfernung, wie die Existenz selber ist, die auf dieses Geschehen blickt.
00:11:57: Dass man nicht darauf eingreifen kann aber so nah heran kann dass wir doch die innersten Gedanken von diesen Jugendlichen hören können und eine Existenze oder eine Entität oder wie auch immer der da blickt das da blckt diese Todwarning aber ihn eben nicht beeinflussen kann, aber genauso wahrnimmt wie sie danach dieses kleine Mülleauto wahrnimmst.
00:12:22: Und ich hatte das immer so geschrieben, aber für mich gab es immer einen Schnitt nachdem der Unfall passiert ist und wir haben noch eine Weile darauf verweilt sozusagen.
00:12:30: Da hat für mich die Plansequenz aufgehört.
00:12:32: dann gab's das neue Bild und durch dieses ewige Gespräch sozusagen haben wir diese Choreografie neu entdeckt und haben neu quasi herausgefunden dass es direkt weiter geben muss um das zu transportieren um zu jemanden, auch wenn er vielleicht nicht auf einer rationalen Ebene, wenn man das sieht dann versteht dass das sein soll.
00:12:54: aber man versteht die Haltung auf eine Weise und ich glaube man kann sie fühlen.
00:12:57: Und erst durch diesen Weiterschwenk, durch das Interesse an etwas anderem hat sich diese Haltung wirklich transportiert also auch für... genau
00:13:08: Ich brauche mich das fast gar nicht zu sagen, aber diese Tragödie hat ja fast was Poetisches auch wie es dann im Film kommt.
00:13:15: Also der Gedanke kommt man jetzt selber beim Aussprechen komisch vor Aber es hat fast sowas Es hat so eine Stille und Ruhe in sich Die eigentlich schon die Heilung ein bisschen in sich trägt Weiß nicht damit ihr etwas anfangen kannst
00:13:30: Auf jeden Fall!
00:13:31: Aber ich glaube das kommt daher dass ist quasi.
00:13:34: also ich glaube... Poesie ist, aber natürlich es gibt eine Verschiebung in dem Moment bevor es passiert.
00:13:41: Es gibt eine verschiebung die vielleicht die uns darüber... Die uns zeigt dass jemand dazuguckt sei es sie selber oder sei es jemand andere das heißt auf einer Weise irgendein gewissen davon dass es jemand wahrnimmt.
00:13:56: und ja vielleicht reicht das schon aus.
00:14:05: Ich weiß nicht, was ich zu Poesie sagen soll.
00:14:08: Wer hat das gesagt?
00:14:09: Stockhausen meintet der Terroranschlag ist das größte Kunstwerk also in den Jahr- und Jahrzehnten.
00:14:17: Aber ich weiß nicht irgendwie weit quasi so etwas jetzt auf ein Individuum... zutreffen kann.
00:14:27: Ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass du das empfindest sozusagen.
00:14:31: Mir kommt's irgendwie komisch vor aber trotzdem...
00:14:33: Ja ich sage auch nur komisch weil du das jetzt gesagt hast, dass dir komisch vorkommt und wenn es dir ja nicht komisch ausgeklärt wäre dann hätte ich dem glaube ich auch Raum gegeben für dich.
00:14:41: Aber ich denke es kommt daran, weil ja nicht nur ist.. also ich denke oder ich hoffe dass es daherkommt, dass Du vielleicht merkst, dass es im Jahr nicht nur um diesen brutalen Tod in diesem Moment ging, sondern um etwas darüber hinaus und meine Verschiebung die quasi durch die Perspektive stattfindet.
00:14:59: Und vielleicht ist das was du als Poesie beschreibst?
00:15:02: Ich kann mich dann nur heranführen weil ich ja nicht weiß was in dir vorgeht.
00:15:04: natürlich aber vielleicht oder hoffe ich.
00:15:09: Ist der erste Teil des Films hatte auch sowas Dokumentarisches fast?
00:15:14: Ist das quasi deiner Tradition und deiner Ausbildung quasi auch geschuldet?
00:15:20: Passiert das quasi auch, dass man den Figuren zuseht beim Leben
00:15:26: und... Also ich habe es gehofft, dass er so ist.
00:15:28: Ich glaube schon, dass mein Interesse natürlich auch daherkommt aber für diesen Film war es, finde ich essenziell in der Form etwas zu haben was sich so geerdet anfühlt, dass wir wirklich diesen Wegen auf denen diese Figuren gehen auch trauen um eben am Ende etwas zum schweben zu bringen, dass aber trotzdem irgendeine Form von Realitätsbezug noch hat und wo es quasi so surreal wird.
00:15:59: Und das war schon... Also ich hatte formal sehr stark das Gefühl, dass einerseits ein Interesse von mir etwas vielleicht mehr zu beobachten und Gespräche über wie wir sie im echten Leben eben auch haben die Oma, die Medikamente dort und dort kauft oder Inhaltsstoffe von Medikamenten.
00:16:18: Oder Chitter-Chatter vom Jugendlichen genauso gewichtig ist wie das eigentliche Drama, dass sich der vor unseren Augen uns schwindet.
00:16:27: Aber eben v.a auch formal, dass am Ende etwas abheben darf war irgendwie klar, dass funktioniert wenn es da vorne wirklich... geerdet ist, sage ich
00:16:39: mal.
00:16:39: Quasi dieser Gegensatz zuerst dieses fast dokumentarische und dann diese Surreale?
00:16:44: Ja genau wieder Wunsch in einer ganz geerdeten Welt um eine Ecke zu gehen und plötzlich hat sich die Welt gefaltet etwas zu erinnern und so klar zu erinnern oder so klar vor sich zu haben als könnte man es an der Hand nehmen und das könnte man jetzt quasi.
00:17:01: wenn es davor schon surreal wäre dann würden wir alles nur als Traum wahrnehmen und das war nicht die Idee
00:17:09: Dann wäre das vielleicht nicht aufgegangen.
00:17:10: dieser Twist dann.
00:17:12: Auf
00:17:12: keinen Fall, also davon bin ich überzeugt.
00:17:16: Auch das Casting natürlich was ja fast ein Kamerspiel halt auch oft ist wie bist du deinen Figuren rangegangen?
00:17:26: Ich glaube ich caste sehr viel über Bauchgefühl ehrlich gesagt und dass ich mit mir schon immer arbeiten wollte oder, dass das tatsächlich passieren könnte.
00:17:36: Hätte ich damals nicht gedacht... Ich weiß noch wie wir auf der Diagonale saßen und ein Film in dem sie gar nicht mitspielte aber antitelt von Glawoga den Sie gesprochen hatte und ich habe nur diese Stimme gehört.
00:17:45: und diesen Wunsch glaube ich gab es in mir vorher schon und ich hatte ihn vorher schon formuliert aber da wurde er noch so viel größer.
00:17:54: Genau dass das dann passieren sollte ist ein unwahrsbares Geschenk, was sie ja gesagt hat.
00:18:00: Dazu kann ich ja gar nichts sagen ehrlich gesagt und dann haben wir Kinder gecastet und das kleine Mädchen Lottischerin Keiling die war ein Tipp von jemandem nämlich habe sie getroffen und hab auch sofort ja gesagt ohne noch werden weiter hinzutreffen einfach weil sie so sehr dem Entsprach was mir vorschwebte und was ich in dieser Melli-Figur gesehen habe und das was nicht dem Entsprag aber ich angepasst sozusagen im Buch Und ähnliches war es mit Tristan und Carla.
00:18:27: Also da habe ich einige Leute gekastet sozusagen, aber eigentlich... ...rückblickend hat man dann immer das Gefühl, man wusste es eh gleich!
00:18:37: Manchmal bat's dann einfach oder ist es oft dann so banal dass Menschen zusammenfinden?
00:18:44: Das könnte eine reale Familie sein, die da zusammenfindet.
00:18:48: Ich glaube aber tatsächlich ist es in Wahrheit schon.
00:18:54: Am Ende des Tages muss ich glauben, dass es funktioniert und dann kann nichts zu funktionieren bringen.
00:18:59: Und im Endeffekt ist so... Ich hatte nie diese Angst von A, ich muss jetzt noch jemanden kasten oder dann noch jemandem um da, weil ich schon die besten Leute dafür hatte eigentlich.
00:19:09: Natürlich haben wir Konstellationscasting das noch gemacht und das ausprobiert.
00:19:12: Aber wie ist das?
00:19:15: Im Endeffek waren dann die ersten Konstellationskastings auch schon ... klar und war anders.
00:19:20: Und ich glaube, wenn man selber davon überzeugt ist dann hat man keinen Zweifel daran weil dann bringt man es zum funktionieren.
00:19:28: und außerdem hatte ich ja geruchseitige Lotte.
00:19:29: Ich mein wirklich kann eigentlich alles spielen und genau das war wirklich eine Bereicherung für mich auch das dann zu sehen du schreibst was und dann hast du plötzlich jemanden wie sie vor der Linse kriegt das noch ganz neue Dimensionen.
00:19:45: Mischtsitzt sich dann auch irgendwie ein oder will sie dann auch Sachen verändern?
00:19:50: Nein, wir haben also eher so... dass sie einfach einen unglaublichen Bullshit-Detektor hat.
00:19:58: Also wenn etwas quasi nicht... Wenn ein Satz nicht funktioniert, dann merkst du es!
00:20:06: Dann merkt sie's sofort.
00:20:08: und dann hatte ich immer das Gefühl, bei ihrem Gespür muss ich dann auch nicht daran festhalten.
00:20:14: Sondern das probiert man da noch einmal.
00:20:16: aber dann merkt man ah ja es gibt was besseres und...
00:20:21: Das ist einfach die Erfahrung quasi die sie mitbringt von den tausenden Rollen gefühlt?
00:20:26: Ja genau!
00:20:29: Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, wow es ist ja alles spielbar.
00:20:32: Es war ein sehr unterschiedlicher Prozess weil mit Birgit zum Beispiel war's gar nicht so dass wir viel improvisiert haben sondern sie hat mir einen Arrangement oder eine größere Bandbreite an Emotionen angeboten in verschiedenen Szenen sozusagen in kleinen also wirklich in Nuancen.
00:20:53: und gleichzeitig war es so dass Lotte oder für Tristan manche Szenen hatten, die offener waren.
00:21:03: Tristan wird bei jedem Q&A sagen ja eigentlich haben wir ganz viel improvisiert und quasi für ihn sind die Momente die geschrieben waren fast so der kleinere Anteil.
00:21:12: aber ich glaube ich habe mit jene mal ein bisschen anders gearbeitet.
00:21:15: und mit Lotte gab es Momente Wo, wenn sie da auf dem Feld steht und mit den Inlandscapes fährt.
00:21:20: Und den Luxist... Dann war mir einfach klar, dass die das sowieso besser kann als ich es schreiben kann.
00:21:28: Weil sie einfach es liebt auch zu dissen und ihr das ja für Spaß macht.
00:21:33: Genau!
00:21:33: Ich dann eher so Atmosphären beschrieben habe.
00:21:36: Überall dort wo der Dialog eine Agenda hatte, da war natürlich klar, Dass der Dialogue bleiben muss.
00:21:41: Genauso sein muss wie er war.
00:21:42: Dort wo er keine hatte durfte auch freiraum.
00:21:47: Das heißt, du genießt es in solchen Situationen einfach auch draufzuschauen und dir dann die passenden Szenen rauszupicken.
00:21:54: Ja also gar nicht Szenern!
00:21:55: Wir haben keine Szener nur... Also die Szenanen, die es gibt sind alle in diesem Buch.
00:21:59: Es ist nicht so dass wir da improvisiert hätten sondern in dem die Worte, die sie quasi in den Szenen brauchen.
00:22:08: Also es stand dann halt nicht drinnen oder doch stimmt gar nicht.
00:22:10: ich hatte da schon so Vorschläge was jetzt Melly sagen würde wenn man natürlich etwas reinschreibt.
00:22:15: aber ich habe ihr immer gesagt an der Stelle und anderen Stellen was exakt wichtig keine Ahnung.
00:22:20: diese erste Sequenz wo die Plansequenz wurde wieder hochgehen zur Bahn das war komplett geschrieben.
00:22:25: mir war klar auch genau diesen Text um diese Beziehung genauso zu zeigen und die quasi den Kampf dieser Geschwister den Raum in der Wohnung, aber auch um den Raum im Leben genauso darzustellen.
00:22:39: Aber an anderen Stellen eben wo sie in DIST hatte ich das Gefühl ah!
00:22:43: Ich habe ja Vorschläge mit gegeben und unsere fantastische Kindercoach Julie Neuhaus hat dann quasi das auch nochmal mit ihr aufgearbeitet, aber im Endeffekt war da klar die macht das sowieso.
00:22:56: Wolltest du auch mit diesen Computerspielszenen man sieht doch so Minecraft Spiele was die zwei Schwestern immer wieder gespielt haben Und das spiegelt sich dann auch im Film quasi gegen Ende hin nochmal wieder.
00:23:08: Diese Computerveld, diese Videospielwelt aber auch diese Textnachrichten was zum Beispiel die jüngere Tochter ihrer verstorbenen Tochter noch immer schreibt obwohl sie jetzt natürlich nicht mehr antwortet.
00:23:18: Wolltest du das auch so ein bisschen in unserer Zeit verorten dass man auch weiß und
00:23:24: Einerseits ist es nicht Minecraft, das ist Vintage Story.
00:23:26: Das sage ich vor allem um den Leuten den Credit zu geben.
00:23:30: Es ist quasi die härtere Version für Minecraft.
00:23:33: Okay.
00:23:34: Die nördere Version.
00:23:35: Ist man gar nicht aufgefragt... Aber auch der
00:23:36: coolere Version muss man sagen!
00:23:38: Also auch weil sie es uns
00:23:39: gegeben haben
00:23:41: und es sieht sehr ähnlich aus natürlich und das bekannteste Spiel von diesen Spielen ist halt Minecraft, deswegen verstehe
00:23:46: ich das ja auch.
00:23:47: Aber Credit gehört.
00:23:50: Du merkst dich kenn' mich nicht so gut aus, aber... Nein das macht mir auch
00:23:53: nichts!
00:23:53: Also bitte wirklich ich sag's auch für dich nur aus dem Grund.
00:23:56: Diese Frage kommt immer und alle denken es ist mein Kopf, deswegen muss ich die World... I have to spread the word it´s a vintage story Und es ist von diesen tollen Leuten, die das gemacht haben.
00:24:06: Genau, nach einerseits war das etwas... Ich bin mit diesem Spiel in Berührung gekommen bzw.
00:24:10: mit dem größeren Bude, über den wir gerade gesprochen haben vor einigen Jahren als ich selbst eine Regie-Assistenz gemacht habe bei einem Film mit einem tollen Kinderprotokonisten und wir uns so einen Spiel am Set überlegt haben dass wir uns eben Punkte geben gegenseitig.
00:24:26: umso für besondere Pünktlichkeit oder besondere Höflichkeit, zur Kleinkram halt um es noch ein bisschen lustiger zu machen.
00:24:34: Es war auch klar dass ich nicht gewinnend werde sondern eher natürlich am Ende und ich hatte die Eltern gefragt was das sich wünscht.
00:24:40: und dann war eben dieses Spielenthema und da habe ich's das erste mal gespielt weil ich wissen wollte bevor ich jemandem mir das schenke was das sein könnte und fand ihre beruhigend auf eine Weise also hat was weiß auch diese ambient Musik hat
00:24:56: absolut ja
00:24:57: Ich hab das zwischendurch, keine Ahnung, manchmal höre ich zum Schreiben Besinski's Integration Loops oder dann hatte ich eben nicht nur das gehört sondern bin mal kurz eine Welt spazieren gegangen.
00:25:07: Eine Runde in dieser Welt.
00:25:09: In dieser Online-Welt und irgendwie hatte das was unheimlich war und gleichzeitig beruhigend so diese liminal Spaces, Backrooms bevor es dieses Phänomen im Internet gab.
00:25:21: Und dann fand ich natürlich, dass es total Sinn ergibt.
00:25:24: Dass eine Teenager-Mädchen dieses Spiel spielt und auf so vielen Ebenen.
00:25:29: einerseits auf der Ebene als Teenager mit einer jüngeren Schwester von der sie nicht möchte das die durch ihre Welt läuft.
00:25:36: Von der sie das nicht teilen möchte.
00:25:37: Das ist ein Abtagebuch.
00:25:38: man selbst kann seine Welt darin bauen und quasi will nicht, dass darin jemand spezieren geht.
00:25:45: immer interessiert in all meinen Firmen, an dem wo wir als Geisteswesen in unserer quasi Natur des Menschen.
00:25:53: Wo diese geistigen Welten die wir in uns tragen mit dieser Außenwelt überlappen, wo quasi das unsere ontische Realität trifft.
00:26:01: und auf eine Weise ist natürlich so ein Spiel dass jemand selber gebaut hat eine so fantastische Darstellung einer inneren Welt.
00:26:14: Es war einfach ein riesiger Wunsch, das auf einer großen Leimer zu sehen.
00:26:19: Ja, das ist auch faszinierend, dass dann so zu sehen oder wenn man es natürlich eher vom kleinen Bildschirm dann sehen kann aber in großer Pracht zu sehen und das fließt ja dann auch in den Score ein Ist ja auch ähnlich dann.
00:26:32: Ja, also es war eher so dass die Musik... Also mein Partner Tim Kröger hatte als ich ihm das erste Mal von dem Film erzählt hatte und das sehr wahrscheinlich Ableton heißen würde sich ans Klavier gesetzt in eine Melodie gespielt Und die wurde dann von David Schweig hat von einem fantastischen Musiker und quasi ihnen ein anderes Stück verwandelt weil ich ihn gefragt habe ob er Ich hatte so eine Vorlage, die mir gut gefallen hat ob man quasi damit arbeiten könnte.
00:26:57: Die Idee war immer dass diese Musik eigentlich aus dem Spiel kommt.
00:27:01: das ist quasi etwas ist was so wie in einem Safe Room oder in einem Game so dahin plätschert aber mit dieser Melodie die sich dann allmählich entfaltet zu einem tatsächlich Score wie eben im dritten Akt das dann so wird also die ergetische Musik beginnend die quasi zu einer in der Narration zu etwas scoremäßigen wird
00:27:21: vielleicht noch so ein Gedanke dieser Safe Space oder sowas, was auch dieses Spiel sein kann für Menschen.
00:27:29: Aber ich hatte das dann irgendwie ab einer gewissen Phase im Film auch immer gedacht.
00:27:33: okay dass irgendwie ist es so ein Safe Space für Menschen man kann sich da so reinfallen lassen und irgendwann... Es gibt ja noch so Momente wo man so denkt das könnte wieder etwas passieren.
00:27:44: aber irgendwie war ich mir so sicher es wird irgendwie auf eine komische Art und Weise alles schon irgendwie gut werden.
00:27:52: Das wollte ich diesen Gedanken, das wollte ich nur noch so mitgehen.
00:27:55: Ich merke nur gerade, dass ich mich vertan, weil ich wollte ein Safe Space natürlich, sondern ein Safe Room.
00:28:00: Ein Safe
00:28:01: Room?
00:28:01: Das ist ja ein Moment im Spiel wo die Musik weiterläuft und du aber eigentlich mit einem Not gefangen bist.
00:28:08: Also eigentlich kann auch was Schönes behaben also vielleicht kann ja eine Art jenseits... Auch ein Loop sein, in dem das kann man manche Menschen vielleicht als bewegenden finden oder andere als eine Art Heimsuchung.
00:28:22: Aber ich freue mich natürlich wenn dir dieses Gefühl da war eines Vertrauens dahingehend dass da auch etwas heißer was drin stecken kann
00:28:31: Ja und auch irgendwie so das Vertrauen in die Filmemacherinnen glaube ich, dass das schon alles irgendwie gut werden wird.
00:28:40: Ganz komische Gedanke was man jetzt auch nicht so oft hat, wenn man sich einen Film ansieht.
00:28:46: Es freut mich sehr, dass ihr das Gefühl
00:28:50: hattet.
00:28:50: Vielleicht noch als abschließende Frage?
00:28:52: Wenn man so investiert ist in so einem Film und der quasi dann auch so explodiert und nachgefragt wird und so viel auslöst, hast du dann schon irgendwie wieder einen Kopf dich vielleicht um ein neues Projekt zu kümmern oder schreibst du schon wieder?
00:29:10: Oder verlierst Du nicht gerade lieber in Computerspiel-Weltern.
00:29:13: Das wäre eigentlich grandios, wenn ich die Seite für hätte!
00:29:16: Während dem Schnitt kam unsere Tochter auf die Welt, das heißt es waren sehr wildes Jahr quasi zeitlich und sehr vielen Ausnahmezuständen und ich habe gerade das Gefühl... Also ich hatte in zwei Stoffen geschrieben, aber gerade habe ich das Gefühl.
00:29:33: Ich muss ein bisschen die Welt angucken und man ist ja auch eine Weile noch mit diesem Kosmos beschäftigt.
00:29:37: Das tut man grade!
00:29:39: Und kommt ja aus diesen Erzählungen überhaupt nicht raus.
00:29:41: Es ist es auch wunderschön darüber zu sprechen, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, auch mit einem Publikum ins Gespräche zu kommen... ...die sehr viele eben selbst oder ihre Geschichten teilen.
00:29:53: Everytime ist gerade noch der Kosmos, in dem ich mich bewege.
00:29:55: Und erst wenn ich den aus dem raustreten konnte dann glaube ich bin ich bereit unbedingt wieder was zu schreiben.
00:30:04: Aber vielleicht bleibt der Kosmus ja auch und nur in der Geschichte ändert sich quasi?
00:30:09: Das könnte sein, dadurch das jetzt ehrlicherweise... Ich ist ja erst mein Dritter Film aber alle drei spielen auf eine Weise in diesem Kosmos.
00:30:17: also mal gucken was da... Man sollte ja auch nicht zu selbst referenziell werden, vielleicht ist es dann auch mal gut das Thema rauszutreten.
00:30:23: Herzlichen Dank!
00:30:24: Danke schön!
00:30:45: Was soll das alles?
00:30:46: Ist eine Produktion von mir, Philipp Dulle.
00:30:49: Folgen gibt es jeden Freitag überall wo es Podcasts gibt.
00:30:53: Damit ihr keine Folge verpasst folgt dem Podcast auf der Plattform Eurer Wahl.
00:30:58: Vielen dank fürs Zuhören und ich freue mich schon auf kommende Woche.
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